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65 Jahre Anwerbeabkommen: Wie sich die türkische Einwanderung in Deutschland verändert hat

65 Jahre Anwerbeabkommen: Wie sich die türkische Einwanderung in Deutschland verändert hat

KÖLN – Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen, das die zeitlich begrenzte Beschäftigung türkischer Arbeitskräfte ermöglichen sollte. 65 Jahre später ist daraus eine generationenübergreifende Einwanderungsgeschichte geworden, die Wirtschaft, Kultur und Alltag in Deutschland nachhaltig geprägt hat.

Nach den am 29. Oktober 2026 veröffentlichten Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lebten 2025 rund 2,648 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte in Deutschland. Etwa 1,5 Millionen waren selbst aus der Türkei eingewandert; rund 1,2 Millionen wurden in Deutschland geboren. 48 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Von der geplanten Rückkehr zum dauerhaften Lebensmittelpunkt

Die Anwerbung türkischer Arbeitskräfte begann in einer Zeit, in der die westdeutsche Wirtschaft dringend Arbeitskräfte benötigte. Viele der zunächst überwiegend jungen Männer arbeiteten in der Industrie und lebten unter schwierigen Bedingungen. Die Beschäftigung war ursprünglich als vorübergehend gedacht. Familiennachzug, neue Migrationsbewegungen und die Entscheidung vieler Menschen, dauerhaft zu bleiben, veränderten diese Perspektive grundlegend.

Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung kamen bis zum Anwerbestopp 1973 etwa 870.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Türkei in die Bundesrepublik. Aus einer Arbeitsmigration wurde eine dauerhafte Einwanderungsgesellschaft.

Eine vielfältige Gesellschaft in mehreren Generationen

Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte sind heute in Industrie und Dienstleistung ebenso vertreten wie in Bildung, Wissenschaft, Kultur, Sport, Medien und Politik. Für viele in Deutschland geborene Nachkommen ist Deutschland der Lebensmittelpunkt. Gleichzeitig bleiben Fragen nach Chancengleichheit, Anerkennung beruflicher Qualifikationen und Diskriminierung gesellschaftlich relevant.

Destatis zufolge lebten die 2025 in Deutschland wohnenden, in der Türkei geborenen Eingewanderten im Durchschnitt seit 32,4 Jahren im Land. Bei knapp zwei Dritteln von ihnen standen familiäre Gründe wie Familiennachzug oder Familiengründung im Vordergrund. 15 Prozent nannten Erwerbstätigkeit als Hauptmotiv, zehn Prozent Flucht, Asyl oder internationalen Schutz.

Nordrhein-Westfalen als Schwerpunkt

Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit dem größten Anteil von Menschen türkischer Einwanderungsgeschichte: 32 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe lebten 2025 in NRW. Städte wie Köln und die industrielle Geschichte der Region, darunter die Ford-Werke, sind eng mit der Geschichte der Arbeitsmigration verbunden. Heute prägen Familienbetriebe, Vereine, Kulturinitiativen und zahlreiche berufliche Lebenswege das gesellschaftliche Bild der Region.

Der 65. Jahrestag ist deshalb mehr als ein historischer Rückblick. Er lenkt den Blick darauf, wie aus einer zunächst zeitlich begrenzten Anwerbung ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft wurde – und wie sich die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei durch mehrere Generationen weiterentwickeln.

Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), 29. Oktober 2026; Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 28. Oktober 2026.