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NRW-Kohleausstieg 2030: Experten warnen vor Lücken in der Stromversorgung

NRW-Kohleausstieg 2030: Experten warnen vor Lücken in der Stromversorgung

Der für 2030 geplante vorgezogene Ausstieg aus der Braunkohleverstromung in Nordrhein-Westfalen steht unter wachsendem Druck. Energieökonomen warnen, dass neue Kraftwerkskapazitäten nicht rechtzeitig bereitstehen könnten, um die wegfallende Leistung vollständig zu ersetzen. Eine formelle Verschiebung des Ausstiegs ist bislang nicht beschlossen.

Im Mittelpunkt steht der Zeitplan: Während die Braunkohlekraftwerke nach der geltenden Planung 2030 vom Netz gehen sollen, wird ein Teil der neuen Gas- und wasserstofffähigen Anlagen erst ab 2031 erwartet. Dadurch könnte eine Übergangsphase von rund 19 Monaten entstehen. Besonders angespannt wäre die Lage möglicherweise in den Wintermonaten, wenn der Strombedarf hoch ist und Wind- sowie Solarenergie zeitweise wenig liefern.

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln hält bei extremen Wetterbedingungen eine theoretische Versorgungslücke von bis zu 16 Gigawatt für möglich. Die Berechnung hängt unter anderem vom Netzausbau und von der Dauer sogenannter Dunkelflauten ab. Sie ist keine Prognose eines flächendeckenden Stromausfalls.

Bei der ersten Ausschreibung für langfristig verfügbare Kraftwerkskapazitäten erhielten Projekte Zuschläge über insgesamt 5,16 Gigawatt reduzierte Leistung. Das ausgeschriebene Volumen hatte bei 4,5 Gigawatt gelegen. Drei Standorte der ersten Runde befinden sich in NRW: Voerde, Weisweiler und Werne. RWE erwartet, dass die erste Anlage in Weisweiler 2030 in Betrieb gehen kann. Die Genehmigung liege vor, der Baubeginn solle in den kommenden Wochen erfolgen.

Der für die Bewertung des Kohleausstiegs vorgesehene Bericht der Bundesregierung verzögert sich. Er soll nun im ersten Halbjahr 2027 vorliegen und unter anderem Versorgungssicherheit, Strompreise und Wärmeversorgung nach den Ausschreibungen bewerten. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sprach zuletzt von Frühjahr oder Frühsommer. Damit könnte die Veröffentlichung erst nach der Landtagswahl Ende April erfolgen.

Für Haushalte und Unternehmen bedeutet die Debatte keine unmittelbar beschlossene Änderung der Stromtarife. Entscheidend ist vielmehr, ob die Region in Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom stärker auf Importe angewiesen sein wird. Das könnte die Beschaffungskosten erhöhen. Bis zu einer neuen Entscheidung bleibt der Braunkohleausstieg 2030 das geltende Ziel.