Bulgarien gewinnt im südosteuropäischen Strommarkt an Bedeutung: Die Leistung seiner Batteriespeicher ist nach Branchenangaben innerhalb eines Jahres auf rund sechs Gigawatt gestiegen. Die Anlagen können überschüssigen Solarstrom aus den Mittagsstunden aufnehmen und ihn wieder abgeben, wenn die Nachfrage am Abend steigt.
Ein am Freitag veröffentlichter Branchenbericht beziffert Bulgariens Stromexporte für dieses Jahr auf 3,5 Terawattstunden. Das sind 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Ausbau beigetragen haben EU-Fördermittel von rund 700 Millionen Euro, veränderte Rahmenbedingungen und Investitionen privater Unternehmen.
Die zusätzliche Speicherkapazität erwies sich im Sommer als hilfreich, als Hitze und Trockenheit die Stromversorgung in Teilen der Region unter Druck setzten. Nach einem durch niedrige Wasserstände an der Donau ausgelösten Ausfall eines rumänischen Kernreaktors im August floss ein Teil der bulgarischen Stromexporte nach Rumänien. Das verringerte dort den Bedarf, Wasserkraftreserven zur Deckung von Spitzenlasten einzusetzen.
Der schnelle Ausbau löst jedoch nicht alle Probleme. Im Winter steht weniger Solarstrom zur Verfügung, während das Netz verstärkt werden muss, um weitere Speicher einzubinden. Zudem werden die Preisunterschiede zwischen günstigen Tagesstunden und teuren Abendspitzen kleiner – ein Faktor, der die bisherigen Geschäftsmodelle unter Druck setzen kann. Das Energieministerium verweist deshalb auf die wachsende Bedeutung von Netzdienstleistungen. Für die Region zeigt Bulgarien, wie Speicher erneuerbare Energien nutzbarer machen können; entscheidend bleiben aber Netzinvestitionen und verlässliche Marktregeln.


