Deutschland verfügt über eine stark wachsende Pipeline genehmigter Windkraftprojekte an Land. Bei der Umsetzung zeichnen sich jedoch neue Engpässe ab: Der Transport übergroßer Turbinenbauteile, fehlende Fachkräfte und verzögerte Netzanschlüsse können den Ausbau bremsen. Darüber berichtete Reuters am Freitag unter Berufung auf Hersteller und Branchenvertreter.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden 2025 knapp 20,8 Gigawatt Onshore-Windleistung genehmigt. Zugleich kamen im vergangenen Jahr 4,6 Gigawatt neu ans Netz; die installierte Gesamtleistung lag zum Jahresende bei 68,1 Gigawatt. Bis 2030 soll sie auf 115 Gigawatt steigen. Dafür wären in den kommenden Jahren durchschnittlich 9,4 Gigawatt zusätzlicher Leistung pro Jahr erforderlich.
Nordrhein-Westfalen hatte 2025 mit 1,3 Gigawatt den größten Zuwachs an neu installierter Onshore-Windleistung unter den Bundesländern. Verzögerungen bei Transportgenehmigungen und Netzanschlüssen betreffen deshalb auch ein Land, in dem zahlreiche Industrie- und Energieprojekte miteinander konkurrieren.
Der Bundesverband WindEnergie (BWE) hatte bereits am 21. Oktober schnellere und bundesweit einheitlichere Genehmigungen für Großraum- und Schwertransporte gefordert. Dazu zählen flexiblere Routen, digitale Verfahren und praktikable Lösungen für zeitweise Straßensperrungen. Nach Einschätzung des Verbandes verteuern bürokratische Hürden die Projekte und verzögern die Bereitstellung neuer Stromerzeugung.
Reuters zufolge stellten Nordex, Enercon und Vestas in den ersten neun Monaten 2026 zusammen 97 Prozent der neu installierten Windleistung in Deutschland. Die Hersteller sehen weniger die Fabrikkapazität als vielmehr Transportwege, Spezialpersonal, Turmlieferanten und den Anschluss an das Stromnetz als kritische Faktoren. Die Bundesregierung plant für 2027 und 2028 Ausschreibungen von jeweils 15 Gigawatt Onshore-Windleistung.
Für türkischstämmige Haushalte und Unternehmen in NRW gibt es durch diese Entwicklung keine gesonderte Regelung. Die Auswirkungen sind indirekt: Eine verlässliche Stromversorgung und die langfristigen Kosten des Energiesystems betreffen Verbraucher und Betriebe unabhängig von ihrer Herkunft.
Ob die genehmigten Projekte rechtzeitig Strom liefern, hängt damit zunehmend auch von der Infrastruktur außerhalb der Windparks ab. Die Daten der Bundesnetzagentur, die Forderungen des BWE und der Reuters-Bericht vom 6. November beschreiben die zentralen Herausforderungen.


