Der Ausbau großer Rechenzentren für künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste stößt in Europa zunehmend auf Widerstand. Am Freitag, 6. November, kam es in mehreren Ländern zu Protestaktionen: In Amsterdam drangen Aktivisten auf das Gelände einer Microsoft-Baustelle ein, während sich nach Angaben der Associated Press auch vor einem Rechenzentrum am Stadtrand von Berlin eine kleinere Gruppe versammelte.
In Amsterdam kletterten einige Demonstrierende laut AP auf einen Baukran und zündeten Signalfeuer. Die niederländische Polizei teilte demnach mit, sie habe 150 bis 200 Menschen wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch in Gewahrsam genommen. Microsoft erklärte, das Recht auf friedlichen Protest zu respektieren, rechtswidrige oder gefährliche Aktionen jedoch nicht zu unterstützen.
Die Aktion auf dem Amsterdamer Baugelände war laut The Guardian von den parallel stattfindenden Protesten der europaweiten Kampagne „Stop Dirty Data Centres“ zu unterscheiden. In Deutschland versammelten sich der AP zufolge etwa zwölf Menschen vor einem Rechenzentrum am Berliner Stadtrand. Damit wurde die Debatte über den schnellen Ausbau digitaler Infrastruktur auch hierzulande sichtbar.
Die Kampagne hatte für den 6. und 7. November Aktionen in 15 europäischen Ländern angekündigt. Nach Angaben der Organisatoren beteiligen sich mehr als 100 Gruppen. Sie fordern ein Moratorium für neue Großprojekte, bis Energie- und Wasserverbrauch, Flächenbedarf, Folgen für die lokale Infrastruktur sowie die Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner ausreichend geprüft sind.
Rechenzentren sind eine zentrale Voraussetzung für Cloud-Dienste und KI-Anwendungen. Ihr Betrieb benötigt jedoch große Mengen Strom; für die Kühlung wird je nach technischer Lösung auch Wasser eingesetzt. Hinzu kommen Fragen der Netzanschlüsse, des Flächenverbrauchs und des zusätzlichen Verkehrs während der Bauphase. Euronews verweist unter Berufung auf PwC darauf, dass die jährlichen Investitionen in europäische Rechenzentren 2026 voraussichtlich 25 bis 26 Milliarden Euro erreichen. Für den Zeitraum 2026 bis 2031 werden Ausgaben von insgesamt 176 Milliarden Euro erwartet.
In Berlin findet am Samstag, 7. November, eine bundesweite Konferenz zu den Folgen des Rechenzentrum-Ausbaus statt. GRÜNE LIGA und Nodes of Resistance laden von 10 bis 19 Uhr in den Impact Hub Berlin in Neukölln ein. Auf dem Programm stehen unter anderem die ökologische Bestandsaufnahme der Rechenzentren in Deutschland, die Rolle künstlicher Intelligenz und Möglichkeiten der Beteiligung an kommunalen Ansiedlungsverfahren.
Die Debatte betrifft auch Haushalte und Unternehmen mit türkischer Einwanderungsgeschichte – nicht durch eine spezielle Regelung, sondern über gemeinsame Fragen wie Stromkosten, Wasserressourcen und kommunale Infrastruktur. Konkrete zusätzliche Belastungen für einzelne Haushalte lassen sich aus den bislang vorliegenden Angaben jedoch nicht ableiten.


