Die Bundesregierung hat Vorwürfe aus Italien zurückgewiesen, Deutschland habe das Auffüllen seiner Gasspeicher vor dem Winter aus Kostengründen verzögert. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnete die Anschuldigungen als unbegründet und erklärte, der staatliche Importeur SEFE sei angewiesen worden, zusätzliches Gas nach Möglichkeit außerhalb der Europäischen Union zu beschaffen.
Zuvor hatte ein italienischer Energievertreter kritisiert, Berlin habe beim Aufbau der Winterreserven zu lange gezögert. Italien habe nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro in die Befüllung seiner Speicher investiert. Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase stark gestiegener Energiekosten: Der europäische Referenzpreis für Erdgas hatte am Mittwoch kurzzeitig 100 Euro je Megawattstunde erreicht – den höchsten Stand seit Dezember 2022.
Das Ministerium argumentiert, zusätzliche Lieferungen von außerhalb der EU sollten den Einfluss der deutschen Beschaffung auf den europäischen Markt begrenzen. Zugleich verweist die Bundesregierung auf Flüssiggasimporte, Pipeline-Lieferungen und das eng vernetzte europäische Gasnetz. Die Bundesnetzagentur betont allerdings, dass die deutschen Speicherstände im Vergleich zu früheren Jahren deutlich niedriger liegen und die Versorgung von mehreren Faktoren abhängt.
Die Debatte zeigt, wie angespannt die Vorbereitung auf die Heizperiode ist. Sollten die Temperaturen stark fallen oder Lieferungen ausbleiben, könnten die Großhandelspreise erneut anziehen. Deutschland und Italien vertreten dabei unterschiedliche Einschätzungen dazu, wie schnell die Speicher aufgefüllt werden müssen und welche Rolle staatliche Unternehmen dabei spielen sollen.


